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Na, Zukunft

Ich war unterwegs am Wochenende. In Bremen, eine alte Freundin besuchen. Der Teil mit dem Weintrinken und über alte Zeiten quatschen war schön, auch wenn bei mir die Zeiten gerade eher anstrengend sind. Von den verschiedenen Baustellen ist das anstehende mündliche Examen jedenfalls nur eine.

Ein bisschen Erholung für meinen vollen Kopf hatte ich am Sonntagabend in einem Bremer Kino bei „Wir sind die Neuen“, einem angenehm leichten Film über eine wiedergegründete Alt-68er-WG und ihre Bewohner, die die Nachbarn werden von einer WG aus drei jungen bürgerlichen Karriereristen in meinem Alter. Als Katharina im Film sagt „ist halt einfach ne total sensible Zeit grade“ (das Staatsexamen), hab ich mich ein bisschen angesprochen gefühlt, so halbernst angesprochen jedenfalls. Der Kinosaal war trotzdem weitgehend voll mit klassisch bis leger gekleideten AkademikerInnen zwischen 50 und 70, die sich von dem Setting des Films wohl noch mehr angesprochen fühlten. Abgesehen von drei weiteren jungen Frauen in der Reihe vor uns waren meine Schulfreundin und ich die einzigen anwesenden Vertreterinnen unserer Generation. Nach dem Film fragte mich der ältere Herr aus dem Sitz nebenan ganz verschmitzt: „Na, Zukunft.. alles in Ordnung?“ Und irgendwie hatten alle im Saal plötzlich ganz viel Sympathie füreinander, fremde Leute haben sich voneinander verabschiedet und ich habe auf die Frage hin herzlich angefangen zu lachen.

Der ältere Herr ist dann aufgestanden, hat sich freundlich an uns vorbeigedrückt und ich war sehr belustigt und beruhigt, zurückgeben zu können „das Alter hat es eilig?“, mich zurückzulehnen und noch einen Schluck aus der reingeschmuggelten Weißweinflasche zu nehmen. Studenten sind noch Studenten. Zumindest ein bisschen.

Ansonsten ist es schön, wieder zu Hause zu sein, auch wenn ich lernen muss. Aber es ist ja wahrscheinlich auch nicht mehr so lange.

 


Sonntag, Yogamatten im Gras

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Das war vorgestern, Sonntag. 108 Sonnengrüße und ein insgesamt inspirierender Tag im ZK/U in Moabit. Zu Beginn des vierten Sets á 27 Sonnengrüße dachte ich mal kurz, meine Arme tragen meinen restlichen Körper kein einziges weiteres Mal in den aufwärtsschauenden Hund. Haben sie dann doch. Und irgendwie war ich am Ende auch ein bisschen stolz, die 108 geschafft zu haben – und froh, Teil der ganzen Sache gewesen zu sein.

Mein Alltag spielt sich währenddessen wieder etwas mehr zwischen der Bibliothek unter den Linden und meinem Zuhause ab. Es ist nicht mehr ganz so intensiv wie vor den Klausuren im April, aber dennoch so, dass es meine Woche mehr ausfüllt als mir lieb ist. Noch so lange, bis ich meinen Termin für die mündliche Prüfung habe, irgendwann im September. Bis dahin höre ich unter anderem Alt-J, und hoffe, dass der Sommer danach noch nicht ganz vorbeigezogen ist.


108

Mein letzter Eintrag auf dieser Seite liegt fast genau ein Jahr zurück und mir ist absolut klar, woran das liegt. Noch nie vorher habe ich ein ganzes Jahr so durchstrukturiert gelebt und so viele Dinge, die mir wichtig sind, freiwillig zurückgestellt – alles, um das erste juristische Staatsexamen einigermaßen erfolgreich zu überstehen.
Überstanden ist es noch nicht, aber am Montag kamen nach drei sich unsicher dahinschleppenden Monaten endlich die Ergebnisse der Klausuren und ich weiß, dass ich es bis hierhin geschafft habe. Felsbrocken fallen von meinen Schultern. Die mündliche Prüfung steht noch aus – eine jedenfalls etwas kleinere Hürde als die sieben Klausuren im April. Aber auch bis hierhin habe ich keine anderen Dinge zu berichten als die meisten, die Jura studiert haben und an diesen Punkt gekommen sind. Examen ist keine schöne Zeit. Auch wenn es manchmal nach außen vergleichsweise wie Leichtigkeit aussah – das Gegenteil ist der Fall. Zwischen der zäh fließenden Zeit, die ich in Bibliotheken und im Repetitorium verbracht habe (Jahreszeiten gab es, ansonsten nur mich, auf dem Fahrrad, entweder im Mantel oder in Shorts und T-Shirt, auf dem Weg zu den selben Orten, umgeben von den selben Gesichtern) war selbst meine Freizeit getaktet nach Selbstoptimierung und Nützlichkeit. Sport und Unterhaltungsliteratur als kurze Atempausen, um am nächsten Tag wieder maximal konzentriert zu sein.

Wie gut, dass diese Zeit zu Ende geht. Langsam stecke ich meinen Kopf aus dem Tunnel. Ich sitze bei offener Balkontür auf meinem Bett und stelle fest, es ist Sommer in Berlin. Ich trinke an einem Mittwochabend auf dem Balkon einer Freundin Rotwein bis nachts um Eins und mir fällt auf, wie lange ich das nicht gemacht habe. Ich fange an, mich wieder vollständiger zu fühlen, weil ich wieder Kraft habe, mich einzubringen, zu schreiben, nachzudenken, alles in allem mehr Mensch zu sein als für mich als Examenskandidatin dazu Raum blieb.

Ich schreibe von sich Einbringen und bitte an dieser Stelle besonders um die sportlich und gesellschaftlich motivierte Aufmerksamkeit meiner Leserin bzw. meines Lesers. An den allermeisten Dienstagabenden besuche ich einen Yogakurs, den die tolle Frauke Schroth unterrichtet. Und diese Woche habe ich dort erfahren, dass sie zusammen mit einer befreundeten DJane und einigen anderen Leuten ein kleines Urban Yoga Festival organisiert, bei dem Spenden für Berliner Flüchtlingsprojekte gesammelt werden sollen. Unter anderem soll eine Beratungsstelle unterstützt werden und es sollen kostenlose Yogaklassen für Flüchtlinge angeboten werden. Das Ganze funktioniert so:

Am 10.8. um 10:08 Uhr werden 108 Yogis 108 Sonnengrüße machen, für die sie Spenden generieren möchten. Mit einer empfohlenen Mindestspende von 36 Euro ist man als Yogi dabei – aber vielleicht kriegen wir ja noch viel mehr zusammen. Ich würde nämlich gerne als eine dieser 108 Yogis Teil der Aktion werden und ihr könnt mich nicht nur in Gedanken, sondern wenn ihr mögt auch finanziell dabei unterstützen. Oder natürlich selbst teilnehmen.

Bild: 108yogis.org

Sofern ihr mich unterstützen wollt, schickt mir doch gern eine Mail an  eva . lautsch at gmail . com und lasst mich wissen, inwiefern und im Zweifelsfall mit wieviel Geld ihr die Aktion unterstützen wollt. Ich werde Euch auf dem Laufenden halten, wie viel Geld ich sammeln und spenden konnte. Ich freue mich, wenn ihr diese tolle Sache unterstützt.

Bis bald mal – ich bin jetzt wieder mehr da. Eure Eva