Monatliche Archive: Juni 2013


Aspirin

Ich bin erkältet, das ganze Wochenende schon (trotz der Hitze). Und habe aus dem Grund viel Zeit damit verbracht, den einen Roman zu Ende zu lesen und einen neuen anzufangen. Im Park um die Ecke, auf dem Sofa, auf dem Bett. Trash-Zeitschriften habe ich auch gelesen, neben der aktuellen Zeit, und Gilmore Girls geschaut. Alles ziemlich unaufgeregt und halsschmerzig.

Und dann habe ich einen sehr schönen Sonntagnachmittag in der Hasenheide verbracht, mit Fanni, und ihr ausgeliehenes Longboard ausprobiert. Es war nach so viel Sofa gut, draußen zu sein, und die Hasenheide ist wirklich ein großartiger Park mit Bäumen, einem Freiluftkino, großen Wiesen und sogar zwei seltsamen Kamelen in einem Freigehege. Tagsüber jedenfalls, nachts wurden auch schon Leute dort abgestochen. Aber am Tag will einem höchstens jemand Gras verkaufen.

Seit meiner Inlineskate-Phase mit 13 hatte ich scheinbar vergessen, wieviel Spaß es macht, auf irgendwas mit Rollen zu fahren, erst langsam, dann ein bisschen schneller, geradeaus, dann mit Kurven, immer im Gleichgewicht. Nur die Avril-Lavigne-Songs, die mir dazu in den Kopf kamen, sind noch die selben. An der Skaterbahn mit der Halfpipe sind wir gekonnt vorbeigeschlittert. Man muss Avril und die Jungs ja nicht herausfordern.

 

 


Juni

Das beste Leben ist das gegenwärtige; aber meistens kommt einem die Gegenwart blass vor, sodass man fruchtlos und ermüdend an Vergangenheit und Zukunft herumzupft. Wenn die Gegenwart jedoch aufglüht, dann sollte man sich ihr überlassen, dachte Nelson. / Eva Menasse, Quasikristalle

Ich bin mehr Jurastudentin geworden, in Anerkennung der Aufgabe, die es ist, sich auf das Staatsexamen vorzubereiten. Und mit dem Ankommen in diesem Alltag kommen hin und wieder die Gedanken über das Danach, einen Plan haben, dann doch, angepasst in aller notwendigen Unangepasstheit. Das alles bis ich mich ins warme Gras sinken lasse um zu lesen, gerade noch kühles Bier zu trinken und den Kindern zusehe, die sich am Brunnen gegenseitig mit Wasser bewerfen. Der einzige Nachteil an Berlin ist ja das Fehlen von Bergen, größeren Wiesen und Wald.

Mir kommt es übrigens noch immer vor, als käme ich gerade erst aus der Türkei zurück. Auch wenn ich inzwischen beinahe so lange wieder hier bin wie die Zeit, in der ich weg war. Die neue Strukturiertheit meines Alltags, die mich gleichermaßen stresst, fordert und entspannt, lässt die Zeit manchmal wie im Zeitraffer vorbeiziehen. Wenn ich mit dem Fahrrad die Stargarder Straße entlangfahre, nach der Uni, ein kleiner Schlenker, fällt mir bei den vielen Menschen vor den Cafés und Eisdielen erst wieder ein, dass ich auch mal mehr Zeit hatte um in Cafés zu sitzen, herumzuphilosophieren und Kaffee zu trinken. Glücklicher war ich deswegen nicht immer.

Dennoch wird der Sommer bedeuten, die letzten Fetzen meiner Selbstdisziplin zusammenzukratzen, um trotzdem an fünf Tagen in der Woche zwischen Neun und Zehn in die Bibliothek zu fahren, und dort zu bleiben, lesen, Klausuren schreiben, Karteikarten füllen. 9 Stunden in der Woche meinen Repetitoren zuhören, die pro Stunde drei Mal das Wort examensrelevant benutzen. Eigentlich ist gerade eine ziemlich aufregende Zeit. Es fällt einem nur manchmal zwischen den ganzen Karteikarten nicht so auf.