Arbeit


„Arbeit wird simuliert, damit alles seine Ordnung hat.“ Das ist nicht Wirtschaft, sondern Beschäftigungstherapie. … Die Wahrheit bleibt revolutionär, die Wirklichkeit ein Witz. Aber die Pointe ist noch nicht erzählt. Die erste Klasse, das Recht darauf, wenigstens den größten Teil seines Lebens selbstbestimmt und ohne Zwänge zu verbringen, die kommt durch die Hintertür, leise, langsam, Schritt für Schritt. „Wir können die Arbeitsmoral nicht von heute auf morgen abschaffen. Aber wir können lernen, pfiffiger mit der Arbeit umzugehen. Wir können anfangen, uns mit uns selbst zu identifizieren und nicht nur mit dem, was wir tun müssen.“

– Wolf Lotter in: brandeins 08/2012 zum Thema „Nichtstun – und was sich daraus machen lässt“ (Die wörtlichen Zitate stammen vom Leipziger Soziologen Georg Vobruba)

Beinahe entschuldigend erzähle ich entfernten Bekannten, dass ich mich nicht planmäßig innerhalb der Regelstudienzeit zum Staatsexamen anmelde, sondern stattdessen ein halbes Jahr am Bosporus verbringe. Es ist wie mit der Abwesenheit meines iPhones, die mich selbst und mein nahes Umfeld entspannt, dem ich die zusätzliche Aufmerksamkeit widme, die bisher dem Touchscreen gehörte – während andere sich beschweren, dass mein Twitter-Account brachliege und ich nicht mehr nach fünf Minuten auf Mails reagiere.

Indessen erklärt Sigmar Gabriel, nach der Geburt seiner Tochter nicht mehr sein komplettes Leben der Politik unterzuordnen. Vielleicht befinden sich nach dem omnipräsenten Burnout der Nuller Jahre Dinge im Umbruch, vielleicht ist dieser Umbruch auch nur in meinem Kopf. In der (noch) aktuellen brandeins finden sich jedenfalls noch mehr aufgeworfene Fragen und Ansätze von Antworten über die Arbeitsphilosophie unserer Zeit. Und ich wünsche mir mehr Nichtstun um sie ganz zu lesen.


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